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Luthers Theologie kurz erklärt (Teil IV)

Neben seiner Bibelübersetzung, die Luther für die Menschen in einer verstehbaren Alltagssprache zugänglich machte, beeinflusste der Reformator noch andere gesellschaftliche Bereiche, die bis in unsere Zeit eine Wirkung haben.

Allen voran ist seine Musik bis heute ein Thema. Luther betrachtete sie als einen unverzichtbaren Teil der Bildung. Auch für den Gemeindegottesdienst war entscheidend, dass Luther ganz besonderen Wert auf deutsches Liedgut legte. Insgesamt wurden 36 Lutherlieder überliefert. Möglicherweise hat er bis zu 45 Lieder gedichtet. Von 20 Liedern hat er die Melodien selbst komponiert.

Sein bahnbrechender Umgang mit der Sprache machte ihn zu einem Mythos als Galionsfigur der „reinen“ deutschen Sprache. Beim Wartburgfest am Reformationstag 1817 fand sogar eine Bücherverbrennung statt.

Die Haltung Luthers zum Abendmahl ist bis heute  konfessionstrennend: Betrachtet die katholische Kirche die Hostie und den Wein nach der Wandlung bis heute als Leib und Blut Christi, so sagte Luther, Christus sei lediglich „darunter“; Huldrych Zwingli, Reformator in der deutschsprachigen Schweiz, hingegen sah Brot und Wein symbolisch als bloßes „Zeichen“ für die Gegenwart Christi.

Luthers Verhältnis zu gesellschaftlichen Randgruppen zeigt ihn als Kind seiner Zeit: So bezeichnete er Menschen mit Behinderungen als Geschöpfe des Teufels. Selbst an Hexen glaubte der Reformator und befürwortete die Verbrennung von Frauen, die der Zauberei beschuldigt wurden.

Besonders problematisch war sein Verhältnis zu den Juden. In seiner Schrift mit dem Titel „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543 stellt er Ratschläge zusammen, wie  an mit den Juden verfahren solle - Ratschläge, die 400 Jahre später im Nazi-Regime furchtbare Gestalt annehmen  sollten: So formulierte er, man solle die Schulen und Synagogen anzünden, ebenso die Häuser der Juden. Sie selbst solle man in Ställen unterbringen und ihnen die Gebetsbüchlein und Talmude sowie ihre Wertsachen wegnehmen. Ihren Rabbinern solle die Lehre bei Androhung der Todesstrafe verboten werden. Man solle den Juden das freie Geleit auf den Straßen entziehen und sie zu harter Arbeit zwingen.

Diese Thesen dienten der nationalsozialistischen Propaganda schon in den Zwanzigerjahren und hatten einen wichtigen Anteil an der Rechtfertigung der Novemberpogrome 1938. Die rechtsgerichteten Deutschen Christen benutzten Luthers Thesen mit Beginn der Machtergreifung Hitlers 1933 überhaupt für die Rechtfertigung der staatlichen Judenverfolgung.

Und bei uns? Bis Anfang der Sechzigerjahre gab es in Groß- Umstadt eine Trennung der lutherischen und der reformierten Christinnen und Christen nach calvinistischem  ekenntnis. Heute zeugen nur noch die beiden Pfarrhäuser in der Karlstraße (lutherisch) und in der Wallstraße (reformiert) von der Trennung.

 

Wichtige Kraft im Hintergrund 

Katharina Luther alias Katharina von Bora hat ihrem Mann Martin für seine Arbeit den Rücken freigehalten. Sie hat nicht nur ihn und die gemeinsamen Kinder verköstigt, sondern auch seine Studenten. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass viele Ideen Luthers durch die Studierenden weitergegeben wurden. Katharina hatte zudem einen großen Anteil an der Drucklegung von Luthers Schriften. Sie selbst tat sich als geistreiche Rednerin bei den gelehrten Tischgesprächen und in Briefen hervor. Bei persönlichen Problemen stand sie ihrem Mann hilfreich zur Seite. 


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