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Worauf Luther seinen Glauben baute (Teil II)

Martin Luther rückt 2017 in den Fokus der Feierlichkeiten anlässlich seiner „reformatorischen Entdeckung“ 1517, dass der Mensch allein aus Gnade vor Gott gerechtfertigt sei, nicht durch seine Werke oder das Geld, das er bezahle. Diese und weitere wichtige Erkenntnisse in seiner Theologie sind ursprünglich gar nicht seine eigenen Ideen....

Als Augustinermönch hat er sich intensiv mit den Thesen des Heiligen Augustinus (354-430 n. Chr.) auseinandergesetzt. Schon der Kirchenvater beschäftigte sich mit der Frage, wie das mit der göttlichen Gnade sei. Aber erst bei Martin Luther rückt die persönliche Beziehung jedes einzelnen zu Gott zentral in den Blick, die heute in allen evangelischen Theologien einen wichtigen Stellenwert hat.

Und so kommt es zu einer weiteren (auf Augustinus und dem Apostel Paulus basierenden) Erkenntnis Luthers, nämlich dass der Mensch allein aus Glauben vor Gott gerechtfertigt sei (sola fide; fides = lat. für Glaube). Luther ist der Überzeugung, dass der Mensch vor Gott nur als gerecht dastehen kann, wenn er an das Werk der Versöhnung durch Jesus Christus glaube - und nicht etwa an die Kraft irgendwelcher Werke, die er tun könne. Interessant ist allerdings, dass dieser persönliche Glaube gar nicht aus dem Willen des Menschen heraus geschehen könne, sondern durch den Heiligen Geist bewirkt werde. Das ist für unser Verständnis zunächst etwas fremd. Denn das würde bedeuten, dass wir nie genau wissen können, ob wir richtig glauben und ob das, was wir glauben, vom Heiligen Geist angeregt ist oder nicht.

Dieses Problem löst Luther damit, dass er Jesus Christus ins Spiel bringt mit „allein Christus“ (lat: solus Christus). Luther war sich sicher, dass die Chance für eine gelingende Gottesbeziehung in der Beschäftigung mit Jesus und seinem Kreuzestod liegen müsse. Jeder Mensch müsse für sich eine persönliche, heilsame Bedeutung darin erkennen, die einen durch das eigene Leben tragen und am Ende zum ewigen Leben führen würde.

Sich für den Glauben an Jesus Christus und damit für das Wirken des Heiligen Geistes zu öffnen - das ist dann der menschliche Anteil. Alles weitere komme von selbst… (cl)

Luthers Meinungsmacher

Lucas Cranach der Ältere (ca. 1472 - 1553) war einer der wichtigsten Maler der Renaissance. Für Martin Luther war er nicht nur ein Freund und Trauzeuge, sondern auch ein wichtiger Unterstützer von dessen Ideen. Mit seinen Bildern und Radierungen hatte der Künstler auch einen Anteil am Gelingen der Reformation und der Auseinandersetzung der Menschen seiner Zeit mit reformatorischen Themen. Cranach betrieb zeitweise sogar eine Apotheke, eine Druckerei und eine Buchhandlung. (cl)


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